{"id":56,"date":"2026-06-07T22:10:43","date_gmt":"2026-06-07T20:10:43","guid":{"rendered":"https:\/\/universalistische-linke.org\/?p=56"},"modified":"2026-06-08T10:26:08","modified_gmt":"2026-06-08T08:26:08","slug":"mackert-startet-echokammer-an-der-uni-potsdam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/universalistische-linke.org\/index.php\/2026\/06\/07\/mackert-startet-echokammer-an-der-uni-potsdam\/","title":{"rendered":"Mackerts Echokammer &#8211; Ringvorlesung an der Uni Potsdam"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am&nbsp;23. April 2026&nbsp;&nbsp;startete eine Ringvorlesung an der Universit\u00e4t Potsdam. Am&nbsp;Fachbereich&nbsp; Soziologie wurde und wird eingeladen zu einer Vielzahl von Vortr\u00e4gen. <a href=\"https:\/\/www.uni-potsdam.de\/de\/allg-soziologie\/index\/lecture-series\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jede Woche Mittwoch kann mensch sich zum Thema \u201eGenocide, Settler Colonialism, Modernity\u201c<\/a> informieren. Organisiert wird das ganze von J\u00fcrgen Mackert, der in eben jenem Fachbereich auch Lehre betreibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>Mackert mackert<\/em><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen dieser \u201eLehre\u201c ist es schon des \u00f6fteren zu Beschwerden seitens der Studierenden gekommen. J\u00fcrgen Mackert hat eine sehr starke Meinung zu allen Konflikten und&nbsp;Kriegen an denen Israel&nbsp;(oder wie Mackert es gern nennt \u201edas zionistische Projekt&#8220;)&nbsp;beteiligt ist. Er teilt diese Meinungen auch sehr gern mit seiner Umwelt. Selbst wenn das Thema seiner&nbsp;Pflichtvorlesung \u201eKlassische und zeitgen\u00f6ssische soziologische Theorie\u201c&nbsp;lautet, ballert Mackert im Verlauf des Semesters 12 Links zum Nahost-Konflikt raus, auch von so unseri\u00f6sen Quellen wie \u201eThe Electronic Intifada\u201c. Erst vor knapp vier Monaten hat Mackert einen \u201e<a href=\"https:\/\/www.middleeastmonitor.com\/20260216-germany-is-turning-into-little-israel-lies-smear-campaigns-and-zionist-propaganda\/\">Artikel<\/a>\u201c auf dem von Katar finanzierten Online-Medium \u201eMiddle East Monitor\u201c&nbsp;&nbsp;ver\u00f6ffentlicht. Der&nbsp;geistige&nbsp;Erguss ist eher ein Propagandawerk und passt damit gut zum Rest der Ver\u00f6ffentlichungen dort. Kritik an Hamas oder Antisemitismus: absolute Fehlanzeige. Den Staat Israel \u201edas zionistische Regime\u201c nennen: Check. Davor warnen, dass Deutschland sich in \u201eKlein-Israel\u201c verwandelt: double check.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier und in seinen sonstigen Verlautbarungen geht es Mackert offenkundig nicht um eine Kritik an Israels Kriegsf\u00fchrung, Israels rechtsextremer&nbsp;und&nbsp;in&nbsp;Teilen&nbsp;faschistischer Regierung(-smitglieder) oder um Kritik an Kriegsverbrechen durch Israels Armee.  Und&nbsp;somit auch nicht um die&nbsp;Verbesserung&nbsp;der&nbsp;Lebensumst\u00e4nde&nbsp;der&nbsp;arabischen&nbsp;Bev\u00f6lkerung&nbsp;in&nbsp;Gaza&nbsp;und&nbsp;dem&nbsp;Westjordanland.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht um den Zionismus als solchen. Die reale Existenz eines j\u00fcdischen Staates ist f\u00fcr Mackert\u00a0und seinesgleichen\u00a0Stein des Ansto\u00dfes. Mit islamistisch regierten Staaten scheint er dagegen wenig Probleme zu haben. So nimmt es nicht weiter wunder, dass Mackert auch zwei Jahre nach den Mordbrennereien des 7. Oktober 2023 keine Ausnahmen kennt, wenn er den Kampf der Pal\u00e4stinenser \u201egegen die siedlerkoloniale Unterdr\u00fcckung\u201c als \u201evollkommen legitim\u201c bezeichnet.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber um was geht es bei der vom fanatischen Antizionisten und (bestenfalls) pupwarmen Anti-Antisemiten Mackert veranstalteten Ringvorlesung?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht&nbsp;um&nbsp;die D\u00e4monisierung&nbsp;des&nbsp;Staates&nbsp;Israels&nbsp;durch&nbsp;die Ineinssetzung jenem mit dem&nbsp;Konzept des Siedlerkolonialismus. Dieser sei der Landraub einer kolonialisierenden Macht, welche dieses Land dann unterwirft und die Ursprungsbev\u00f6lkerung ermordet, vertreibt oder ausbeutet. Als historische Beispiele gelten die Ausrottung und Ausbeutung der nord- und s\u00fcdamerikanischen indigenen Bev\u00f6lkerungen. Ein Unrecht, das bis heute andauert und sich von der Landnahme der Zionist*innen in Israel nur dadurch unterscheide, dass die (europ\u00e4isch verorteten) Zionist*innen durchaus wieder vertrieben werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die so offensichtliche wie simple Tatsache, dass J\u00fcdinnen und Juden seit sehr, sehr langer Zeit im Gebiet des heutigen Israels lebten, muss dabei genauso geleugnet werden wie der Fakt, dass im Gebiet des historischen Pal\u00e4stina heute soviele Juden und J\u00fcdinnen leben wie Pal\u00e4stinenser*innen. Von Ausrottungsabsichten Israels oder einem Genozid zu sprechen ist daher eine L\u00fcge. Von einer Ausbeutung l\u00e4sst sich, materialistisch betrachtet, auch nicht sprechen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Teile der heutigen Siedlerbewegung klerikalfaschistische Z\u00fcge tragen und deren st\u00e4ndigen \u00dcbergriffe untragbar sind, steht au\u00dfer Frage. Diese aber stelvertretend f\u00fcr die Geschichte Israels darzustellen, ist im besten Falle ahistorisch. Unterdesss st\u00f6rt sich Mackert ebenso wenig am Fehlen eines kolonialen j\u00fcdischen Mutterstastes, der die&nbsp;&nbsp;kolonialen Unterwerfung mit den entsprechenden Ressourcen (Geld, Heer, Verwaltung,&nbsp;strategische&nbsp;Planung) h\u00e4tte&nbsp;ausstatten m\u00fcssen oder eben daran, dass selbst die ersten zionistischen Siedler wohl kaum von Vernichtungsphantasien, sondern von der Suche nach Selbstbestimmung und Freiheit von Verfolung getrieben wurden. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>Auftritt Dirk A. Moses<\/em><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Schrift \u201eDer Deutsche Katechismus\u201c hat Modes&nbsp;eine Steilvorlage f\u00fcr Revanchist*innen verfasst. Am&nbsp;liebsten&nbsp;schreibt&nbsp;er&nbsp;gegen die deutsche Erinnerungspolitik&nbsp;an.&nbsp;Diese schaffe \u201eHohepriester\u201c und \u201eGlaubensw\u00e4chter\u201c, die sich dann gegen all&nbsp;jene wenden, der*die es wagen, Israel zu kritisieren. Dabei wirft er unabh\u00e4ngige antifaschistische Gedenkinitiativen in den gleichen Sack wie staatsr\u00e4sonales Gedenken im Bundestag, nur um danach auf beides verbal kr\u00e4ftig einzudreschen. In Wortwahl und Ziel unterscheiden sich Dirk A. Moses&nbsp;und die Neue Rechte nur darin, dass sich Angeh\u00f6rige der Letzteren manchmal doch trauen \u201eJude\u201c und \u201eVerjudung Deutschlands\u201c zu sagen, wenn sie dies meinen und nicht hinter Floskeln wie \u201eZionist\u201c und \u201eIsraelification of Germany\u201c verstecken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Proffesor&nbsp;Mackert&nbsp;schl\u00e4gt&nbsp;in&nbsp;die gleiche Kerbe, wenn er&nbsp;revanchistische Floskeln wie die der&nbsp;deutschen Kollektivschuld bem\u00fcht, um etwtas abzuwehren, von dem Nazis seit 1945 und Neonazis bis heute sprechen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der dritte im unheilvollen Bund: Ilan Pappe<\/strong>.&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser kann bis heute im Freitag schreiben und dort verk\u00fcnden, dass der israelische Angriff auf den Iran und dessen Atomwaffenprogramm gepr\u00e4gt sei von \u201emessianischem Zionismus\u201c. Wie die anderen beiden ist auch er gro\u00dfer Fan der Website &#8222;Electronic Intifada&#8220;, die nur wenige Tage nach dem 7.Oktober die Massaker und&nbsp;Vergewaltigungen der Hamas leugnete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ringvorlesung an der Universit\u00e4t Potsdam wirft damit eine grunds\u00e4tzliche Frage auf:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was f\u00e4llt unter den Begriff der &#8222;Freien Leere&#8220;? Was bringt einen wissenschaftlichen Diskurs weiter?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wissenschaft lebt vom Streit und von kontroversen Debatten. Eine Universit\u00e4t sollte ein Ort sein, an dem unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und argumentativ gepr\u00fcft werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mackertsche&nbsp;Ringvorlesung ist hingegen eine politische&nbsp;Kampagne mit wissenschaftlichem Anstrich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wo nahezu ausschlie\u00dflich Vertreter einer bestimmten ideologischen Schule zu Wort kommen, entsteht keine offene Debatte, sondern ein Echoraum. Gerade bei einem Thema von solcher historischer und politischer Komplexilit\u00e4t und Tragweite w\u00e4re jedoch intellektuelle Redlichkeit, Pluralit\u00e4t der Perspektiven, Begriffssch\u00e4rfe und die Bereitschaft zur Selbstkritik unabdingbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch genau daran mangelt es leider auch dem gr\u00f6\u00dften Teil der sog. Pal\u00e4stina Solidarit\u00e4tsbewegung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihnen geht es haupts\u00e4chlich um Selbstvergewisserung und das gemeinsame Gef\u00fchl der St\u00e4rke beim verfolgen ihrer eigenen Agenda.&nbsp; Dabei paktieren sie immer wieder mit blutr\u00fcnstigen offenen Antisemiten oder bedienen selbst antisemitische Denkmuster.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der notleidenden Bev\u00f6lkerung in Gaza,&nbsp;der man vorgeblich helfen wolle, erbringt man so jedenfalls einen B\u00e4rendienst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am&nbsp;23. April 2026&nbsp;&nbsp;startete eine Ringvorlesung an der Universit\u00e4t Potsdam. Am&nbsp;Fachbereich&nbsp; Soziologie wurde und wird eingeladen zu einer Vielzahl von Vortr\u00e4gen. Jede Woche Mittwoch kann mensch sich zum Thema \u201eGenocide, Settler Colonialism, Modernity\u201c informieren. 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