Kategorie: Allgemein

  • Kritischer Blick auf 75 Jahre Bundespolizei

    Vortrag mit Alexander Bosch, 12. Juni 2026, 18:00 Uhr, Zur Trockenen Kehle

    In diesem Jahr begeht die Bundespolizei im beschaulichen Babelsberg die Feierlichkeiten anlässlich ihres 75. Geburtstages. Gewohnt selbstbewusst lädt sie hierfür zu einem „Bürgerfest“ ein, bei dem „Sie nichts verpassen“. Um keine unnötigen Gedanken daran zu verschwenden, welche Unappetitlichkeiten einem neben dem uniformierten Kerzenausblasen noch erwarten würden, lenken wir eure Gedanken lieber auf unser Angebot und laden euch herzlich zu unserer eigenen Veranstaltung ein:

    Am Freitag, den 12.06. um 19 Uhr, spricht der Polizeiforscher Alex Bosch bei uns.

    Alex forscht seit Jahren zur deutschen Polizei und nimmt deren Geschichte sowie Strukturen unter die Lupe. Der Abend bietet Raum, um Polizeimythen zu hinterfragen, deutsche Kontinuitäten aufzudecken und den neutralen Ruf der Behörden kritisch zu diskutieren.

    Tauscht die Kaffeetafel gegen den Biergarten und setzt mit uns der staatlichen Inszenierung einen kritischen Diskurs entgegen.

    Der Garten der Kehle öffnet um 18 Uhr, frühes erscheinen sichert die besten Plätze am Tisch!

  • Mackerts Echokammer – Ringvorlesung an der Uni Potsdam

    Am 23. April 2026  startete eine Ringvorlesung an der Universität Potsdam. Am Fachbereich  Soziologie wurde und wird eingeladen zu einer Vielzahl von Vorträgen. Jede Woche Mittwoch kann mensch sich zum Thema „Genocide, Settler Colonialism, Modernity“ informieren. Organisiert wird das ganze von Jürgen Mackert, der in eben jenem Fachbereich auch Lehre betreibt.

    Mackert mackert

    Im Rahmen dieser „Lehre“ ist es schon des öfteren zu Beschwerden seitens der Studierenden gekommen. Jürgen Mackert hat eine sehr starke Meinung zu allen Konflikten und Kriegen an denen Israel (oder wie Mackert es gern nennt „das zionistische Projekt“) beteiligt ist. Er teilt diese Meinungen auch sehr gern mit seiner Umwelt. Selbst wenn das Thema seiner Pflichtvorlesung „Klassische und zeitgenössische soziologische Theorie“ lautet, ballert Mackert im Verlauf des Semesters 12 Links zum Nahost-Konflikt raus, auch von so unseriösen Quellen wie „The Electronic Intifada“. Erst vor knapp vier Monaten hat Mackert einen „Artikel“ auf dem von Katar finanzierten Online-Medium „Middle East Monitor“  veröffentlicht. Der geistige Erguss ist eher ein Propagandawerk und passt damit gut zum Rest der Veröffentlichungen dort. Kritik an Hamas oder Antisemitismus: absolute Fehlanzeige. Den Staat Israel „das zionistische Regime“ nennen: Check. Davor warnen, dass Deutschland sich in „Klein-Israel“ verwandelt: double check.

    Hier und in seinen sonstigen Verlautbarungen geht es Mackert offenkundig nicht um eine Kritik an Israels Kriegsführung, Israels rechtsextremer und in Teilen faschistischer Regierung(-smitglieder) oder um Kritik an Kriegsverbrechen durch Israels Armee. Und somit auch nicht um die Verbesserung der Lebensumstände der arabischen Bevölkerung in Gaza und dem Westjordanland. 

    Es geht um den Zionismus als solchen. Die reale Existenz eines jüdischen Staates ist für Mackert und seinesgleichen Stein des Anstoßes. Mit islamistisch regierten Staaten scheint er dagegen wenig Probleme zu haben. So nimmt es nicht weiter wunder, dass Mackert auch zwei Jahre nach den Mordbrennereien des 7. Oktober 2023 keine Ausnahmen kennt, wenn er den Kampf der Palästinenser „gegen die siedlerkoloniale Unterdrückung“ als „vollkommen legitim“ bezeichnet. 

    Aber um was geht es bei der vom fanatischen Antizionisten und (bestenfalls) pupwarmen Anti-Antisemiten Mackert veranstalteten Ringvorlesung?

    Es geht um die Dämonisierung des Staates Israels durch die Ineinssetzung jenem mit dem Konzept des Siedlerkolonialismus. Dieser sei der Landraub einer kolonialisierenden Macht, welche dieses Land dann unterwirft und die Ursprungsbevölkerung ermordet, vertreibt oder ausbeutet. Als historische Beispiele gelten die Ausrottung und Ausbeutung der nord- und südamerikanischen indigenen Bevölkerungen. Ein Unrecht, das bis heute andauert und sich von der Landnahme der Zionist*innen in Israel nur dadurch unterscheide, dass die (europäisch verorteten) Zionist*innen durchaus wieder vertrieben werden könnten.

    Die so offensichtliche wie simple Tatsache, dass Jüdinnen und Juden seit sehr, sehr langer Zeit im Gebiet des heutigen Israels lebten, muss dabei genauso geleugnet werden wie der Fakt, dass im Gebiet des historischen Palästina heute soviele Juden und Jüdinnen leben wie Palästinenser*innen. Von Ausrottungsabsichten Israels oder einem Genozid zu sprechen ist daher eine Lüge. Von einer Ausbeutung lässt sich, materialistisch betrachtet, auch nicht sprechen. 

    Das Teile der heutigen Siedlerbewegung klerikalfaschistische Züge tragen und deren ständigen Übergriffe untragbar sind, steht außer Frage. Diese aber stelvertretend für die Geschichte Israels darzustellen, ist im besten Falle ahistorisch. Unterdesss stört sich Mackert ebenso wenig am Fehlen eines kolonialen jüdischen Mutterstastes, der die  kolonialen Unterwerfung mit den entsprechenden Ressourcen (Geld, Heer, Verwaltung, strategische Planung) hätte ausstatten müssen oder eben daran, dass selbst die ersten zionistischen Siedler wohl kaum von Vernichtungsphantasien, sondern von der Suche nach Selbstbestimmung und Freiheit von Verfolung getrieben wurden.

    Auftritt Dirk A. Moses

    Mit der Schrift „Der Deutsche Katechismus“ hat Modes eine Steilvorlage für Revanchist*innen verfasst. Am liebsten schreibt er gegen die deutsche Erinnerungspolitik an. Diese schaffe „Hohepriester“ und „Glaubenswächter“, die sich dann gegen all jene wenden, der*die es wagen, Israel zu kritisieren. Dabei wirft er unabhängige antifaschistische Gedenkinitiativen in den gleichen Sack wie staatsräsonales Gedenken im Bundestag, nur um danach auf beides verbal kräftig einzudreschen. In Wortwahl und Ziel unterscheiden sich Dirk A. Moses und die Neue Rechte nur darin, dass sich Angehörige der Letzteren manchmal doch trauen „Jude“ und „Verjudung Deutschlands“ zu sagen, wenn sie dies meinen und nicht hinter Floskeln wie „Zionist“ und „Israelification of Germany“ verstecken. 

    Proffesor Mackert schlägt in die gleiche Kerbe, wenn er revanchistische Floskeln wie die der deutschen Kollektivschuld bemüht, um etwtas abzuwehren, von dem Nazis seit 1945 und Neonazis bis heute sprechen.

    Der dritte im unheilvollen Bund: Ilan Pappe

    Dieser kann bis heute im Freitag schreiben und dort verkünden, dass der israelische Angriff auf den Iran und dessen Atomwaffenprogramm geprägt sei von „messianischem Zionismus“. Wie die anderen beiden ist auch er großer Fan der Website „Electronic Intifada“, die nur wenige Tage nach dem 7.Oktober die Massaker und Vergewaltigungen der Hamas leugnete.

    Die Ringvorlesung an der Universität Potsdam wirft damit eine grundsätzliche Frage auf: 

    Was fällt unter den Begriff der „Freien Leere“? Was bringt einen wissenschaftlichen Diskurs weiter?

    Wissenschaft lebt vom Streit und von kontroversen Debatten. Eine Universität sollte ein Ort sein, an dem unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und argumentativ geprüft werden.

    Die Mackertsche Ringvorlesung ist hingegen eine politische Kampagne mit wissenschaftlichem Anstrich. 

    Wo nahezu ausschließlich Vertreter einer bestimmten ideologischen Schule zu Wort kommen, entsteht keine offene Debatte, sondern ein Echoraum. Gerade bei einem Thema von solcher historischer und politischer Komplexilität und Tragweite wäre jedoch intellektuelle Redlichkeit, Pluralität der Perspektiven, Begriffsschärfe und die Bereitschaft zur Selbstkritik unabdingbar.

    Doch genau daran mangelt es leider auch dem größten Teil der sog. Palästina Solidaritätsbewegung.

    Ihnen geht es hauptsächlich um Selbstvergewisserung und das gemeinsame Gefühl der Stärke beim verfolgen ihrer eigenen Agenda.  Dabei paktieren sie immer wieder mit blutrünstigen offenen Antisemiten oder bedienen selbst antisemitische Denkmuster.

    Der notleidenden Bevölkerung in Gaza, der man vorgeblich helfen wolle, erbringt man so jedenfalls einen Bärendienst. 

  • Über die Veranstaltungsreihe zu Antisemitismus, Antizionismus und Autoritarismus

    „Antisemitismus ist die Unfähigkeit, gleichzeitig abstrakt zu denken und konkret zu fühlen.“   — Samuel Salzborn

    Antisemitismus stellt einen stetigen Bestandteil moderner Gesellschaften dar.

    Sein gegenwärtiges Wiedererstarken steht in engem Zusammenhang mit aktuellen Konflikten im Nahen Osten. Die zunehmende Offenheit antisemitischer Äußerungen verweist jedoch weniger auf ein neues Phänomen, als vielmehr darauf, dass antisemitische Denkmuster kontinuierlich fortbestanden haben. Eine zentrale Herausforderung in der Bekämpfung des Antisemitismus liegt in seiner Vielschichtigkeit und Wandlungsfähigkeit. Er manifestiert sich in unterschiedlichen Kontexten und Ausdrucksformen – etwa in vermeintlich harmlosen Witzen, medialen Diskursen, wohlgemeinten politischen Redebeiträgen oder verkürzten Kapitalismuskritiken. Zugleich fehlt es häufig an einer fundierten Auseinandersetzung darüber, was Antisemitismus ausmacht, wie er funktioniert und auf welche Weise ihm wirksam begegnet werden kann.

    Die Vielschichtigkeit antisemitischer Erscheinungsformen zeigt sich unter anderem darin, dass sie nicht auf ein bestimmtes politisches Spektrum beschränkt sind. Antisemitische Einstellungen können in unterschiedlichen ideologischen Kontexten auftreten. Kommunist*innen, Faschist*innen, Antirassist*innen, AfD-Anhänger*innen, Islamist*innen, Rassist*innen, Sozialdemokrat*innen oder OttoNormalbürger, sie alle stehen sich meist unversöhnlich gegenüberstehen, in antisemitischen Deutungsmustern sind sie wieder vereint. Etwa in der Vorstellung einer vermeintlichen jüdischen Einflussnahme auf globale Entwicklungen oder in der Delegitimierung des Staates Israel.

    Rechtsextreme und islamistische Formen des Antisemitismus teilen häufig die Annahme einer umfassenden jüdischen Verschwörung, die als Bedrohung für Volk, Nation, Religion oder gesellschaftliche Ordnung imaginiert wird. Diese Varianten artikulieren ihren Vernichtungswillen offen und werden (noch) von großen Teilen der politischen Öffentlichkeit zurückgewiesen.

    Demgegenüber äußern sich antisemitische Positionen in linken und bürgerlichen Kontexten häufig indirekter oder codierter, zum Beispiel in der Behauptung: Israel würde seit seiner Gründung eine per se koloniale und genozidale Politik gegenüber den Palästinenser*innen verfolgen, woraus ein radikaler Antizionismus abgeleitet wird, der das Existenzrecht Israels in Abrede stellt.

    Dabei war der historische Zionismus für viele Jüdinnen und Juden auch eine Bewegung der Selbstbefreiung: Das Streben nach politischer Selbstbestimmung und Sicherheit nach Jahrhunderten von Verfolgung. Wer das vollständig ausblendet, verfehlt, warum die Idee bis heute für viele legitim und notwendig erscheint. Auch wird dabei oft vergessen, dass die israelische Gesellschaft selbst extrem plural ist – und dass ein erheblicher Teil der schärfsten Kritiker*innen innerhalb Israels stehen, ohne dessen Existenzrecht infrage zu stellen.

    Eine Gemeinsamkeit unterschiedlicher Erscheinungsformen des Antisemitismus liegt in ihrem autoritären Charakter. Autoritarismus lässt sich als eine Haltung beschreiben, die durch unkritische Hingabe an ideologische Überzeugungen oder Autoritäten geprägt ist und alternative Perspektiven kaum zulässt. Typisch sind dabei dichotome Weltbilder (Gut versus Böse), die Reduktion komplexer Zusammenhänge auf einfache Erklärungen sowie eine Moralisierung politischer Konflikte.

    Parallel dazu ist eine zunehmende Polarisierung politischer und insbesondere innerlinker Auseinandersetzungen zu beobachten. Der Druck zur schnellen und eindeutigen Positionierung ist enorm – ausbleibende oder differenzierte Stellungnahmen werden als Verrat gebrandmarkt.  Dies begünstigt eine Verschiebung der Grenzen des Sag- und Denkbaren: An die Stelle pluraler und kontroverser Debatten tritt zunehmend die Erwartung homogener und eindeutiger Positionen.

    Doch wo Erkenntnissuche durch dogmatische Gewissheit und der Moralisierung der politischen Sphäre ersetzt wird, entsteht ein Nährboden für affektgeleiteten Hass, der als vermeintliche Lösung nur noch die Vernichtung kennt.

    Für eine Kultur des Miteinanders, für eine Kultur der solidarischen Kritik, für sich gegenseitig Zuhören.

    Gegen das Ausspielen von Antisemitismus und Rassismus.

    Für mehr Erkenntnis statt Empörung.

    Gegen einfache Lösungen durch vermeintliche Eindeutigkeiten.

    Für das Aushalten von Komplexität und Widersprüchen.

    Für eine universalistische Linke.